ZIVILDIENST-SUCKS, und zwar so richtig

Samstag, September 23, 2006

Erster Wochenbericht

Es ist Samstag morgen 15.27 Uhr, ich habe einen Kater und nun nix besseres zu tun als mal wieder einen Bericht zu schreiben.
Gestern habe ich in der Zeit von 21 Uhr bis heute morgens um 3 folgende Alkoholika zu mir genommen:
- 1 Veltins V+ Lemon
- 1 Schöfferhofer Weizen
- 1/3 Flache Belini Sekt
- 1/4 Flasche Berentzen Saurer Apfel
- 1 Whisky-Cola
- 1 Tequila
- 1 Malibu Orange
- 2 Sambuca
- 1 Tequila
- 1 Malibu-Kirsche
- 1 Tequila
- 2 Sambuca
- 1 Veltins V+ Lemon

Man beachte, dass meine Trinkliste mit V+ beginnt und endet.

Nun aber zu meiner eigentlichen Aufgabe.
Ich soll hier ja mal wieder einen Bericht verfassen.
Das werd ich nun mal tun.

Es gab natürlich viele Highlights, die ich natürlich nicht alle aufzählen kann. Somit versuche ich nur die High-Highlights zu beschreiben.
So geschah es zum Beispiel, dass wir dem Fahrer Jürgen in die Bredoullie brachten.
Wir schrieben auf einen leeren Karton das Wort "Jürgeeeen" und legten den Karton auf eine fertig gepackte Palette. Somit wusste Jürgen, dass diese Palette bereits fertig ist und er sie in ein anderes Krankenhaus fahren kann. Das ist sozusagen unser abgemachtes Zeichen.

Er fuhr ins Krankenhaus und lud dort ab.
Er wollte gerade gehen, als eine aufgeregte Schwester hinter ihm her lief.
Schwester:" Warten sie, warten sie. Hier ist ein Karton wo Jürgeeeeen draufsteht."
Jürgen:" Ah. Das haben die Zivis drauf geschrieben damit ich weiss, dass ich die Palette nehmen kann."
Schwester:" Sind sie sich da auch sicher?"
Jürgen:" Ja, bin ich mir."
Schwester:" Aber wo muss ich den Karton jetzt hinbringen?"
Jürgen:" Der Karton is ja leer. Den können sie weg schmeissen."
Schwester:" Sind sie sich echt sicher? Nicht das ich was falsch mache."

Jürgen diskutierte nun einige Minuten mit dieser etwas uncleveren Schwester über die Funktion und den Verbleib dieses ach so wichtigen Kartons.


Am Freitag war Jan übrigens etwas angetrunken zur Arbeit gekommen.
Er hat am Vortag die Moritz-Fiege-Brauerei besichtigt. Dort konnte er sehr viel Bier trinken. Und das auch noch umsonst.
Ein Jan ist aber nicht ein Jan, wenn er sich dann nicht vollkommen zusäuft.
Nun gut, er hatte eine kleine Fahne. Also keine Fahne zum wedeln oder so, sondern eine Alkohol-Fahne.
Ich taufte ihn sogleich auf den Namen "Fahnen-Jan".
Jan kann sich mit diesem neuen Gimmick identifizieren.
Jan hat nun mittlerweile drei Personen in sich selber vereint.
Jan ist auf der einen Seite Jan.
Wenn er betrunken ist, ist er Hulk "The Hulkster" Hogan und wenn er einen Kater hat, ist er ab sofort "Fahnen-Jan".

Da Fahnen-Jan sehr geschlaucht war, übernahm ich einfach mal den Großteil der Arbeit.
Jan hatte eher die Funktion eines kleinen Hündchens, das neben mir her lief.
Wir machten aus, dass ich arbeite und er mich unterhalten müsse.
So tanzte und sang Jan die ganze Zeit neben mir her.
Das war ziemlich lustig.
Wir sahnten am Freitag auf den Stationen auch ordentlich Süßigkeiten ab.
Irgendwelche Schüler-Schwestern hatten Kuchen gebacken und Süßigkeiten bereit gestellt, die wir uns mit beiden Händen griffen und verschlangen. Das Mittagessen war diese Woche eher mittelmässig. Solangsam kommt einem das Essen aus den Ohren raus.
Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln. Jeden Tag.

Schwenk-Kartoffeln
Salz-Kartoffeln
Brat-Kartoffeln
Folien-Kartoffeln
Kartoffelpüree
Kartoffel-Ecken
Kartoffel-Röstis

Ich hasse Kartoffeln mehr von Tag zu Tag.
Nun ja.
Da ich mich konzentrieren musste diesen Bericht zu schreiben hab ich jetzt Kopfschmerzen.
Suuuuper.

Ich kann nicht mehr weiter schreiben.
Danke fürs Lesen und bis bald.

Donnerstag, September 21, 2006

Achtundreißigster Arbeitstag

Lieber geehrter Leser,
Auf diesem Wegen möchte ich mich bei dir entschuldigen!
Ich habe nun mehr seit 5 Arbeitstagen keinen Bericht mehr geschrieben.
Aber ich kann dir natürlich auch genau erklären warum.
Da ich natürlich genau erklären kann warum, werde ich das jetzt auch tun.

Erstens: Die Arbeit suckt im Moment einfach nur ohne Ende.
Ich bin froh wenn ich nach Hause komme und Ruhe habe.
Unser über alles geliebter Chef ist im nach wie vor im Urlaub und hat uns alleine gelassen.
Die Vertretungschefin ist aber so scheiße, dass ich ihr jeden Tag mit einem Vorschlaghammer ihre Zähne polieren könnte.

Zweitens: Die Qualität meiner Berichte hat in letzter Zeit DEUTLICHST abgenommen. Nachdem ich sie mir nachträglich durchgelesen hatte, viel mir auf, dass die letzten Berichte äußerst unlustig, schlecht geschrieben und langweilig sind.

Drittens: Die spektakulären Geschichten der Anfangszeit erleben wir nun täglich. Der tägliche Wahnsinn ist aber nicht lustig und vorallem ist es für dich, lieber Leser, auch mal überhaupt gar nicht interessant, wenn ich dir täglich den gleichen Müll auftische. Ein dummer Leser ohne Gedächtnis kann vielleicht die Geschichten nicht abspeichern, aber du, mein treuester Leser, du bist da natürlich anders.

Ich habe mich entschieden ab jetzt nur noch Wochenberichte zu schreiben.
Das bringt mir und euch mehr!!!
Seid nicht traurig. Seid auch nicht sauer.
Es geht ja weiter, nur nicht in den Maßen wie zuvor.

Ich danke für das Verständnis.
Den ersten Wochenbericht gibts dann in den nächsten Tagen.

Schönen Tag noch.

Donnerstag, September 14, 2006

Dreiundreißigster Arbeitstag

Heute sind Jan und ich aus allen Wolken gefallen.
Was heute auf der ITS-OP passiert ist darf man eigenlich niemals erzählen.
Und man sollte hoffen niemals dort liegen zu müssen.

1. Situation:
Wir sollten zur ITS-OP etwas wegbringen. Medikamente. Ein kleines Paket.
GEHEIMAUFTRAG sozusagen.
Wir regelte alles.
Auf einmal schrie eine Frau: "Hilfeee, Hilfeeee, schnell."
Jan:" Da schreit jemand um Hilfe."
Schwester:" Ja, das macht die schon seit 3 Tagen."
Ich:" Dann sollte vielleicht jemand nach schauen was los ist."
Schwester:" Geht doch mal da rein. Dann sagst die sie will euch umbringen."
Wir wollten dann doch nicht rein.
Die Schwester ging in das Zimmer:" Kommt doch mal rein."
Wir gingen langsam ins Zimmer.
Schwester:" Frau M. Wen wollen sie denn heute umbringen?"
Jan:" Warum rufen sie denn um Hilfe. Sie haben ja gar nix."
Oma:" Ich kann doch auch nix dafür. Es tut mir sooo leid."
Die Oma fing dann fast an zu weinen. Hmmm.

Später mussten wir erneut zur ITS-OP.
Wir lieferten unsere paar Pakete ab.
Wir quatschten mit einer Schwester.
Dann rief eine andere Schwester:" Juuuungs, komm mal her. Guckt euch das an. Guckt euch das an."
Wir guckten verwundert.
Schwester:" Guckt mal. Der Patient sieht aus wie Hui Buh. Der zappelt immer so mit dem Arm, als ob da ne Kette dran wäre. Uuuuuu Hui Buuuuu."
Kurze Zeit später nahm sie den Arm des Patienten wuschelte durch seine Haare und sagte:" Oh Herr L. Haben sie eine neue Frisur?"

Da ist mir dann das Lachen vergangen.

Sonst ist heute nix spektakuläres passiert.

Bis morgen

Mittwoch, September 13, 2006

Zweiunddreißigster Arbeitstag

Was für ein Tag war das denn bitte.

Er fing ganz normal an.
Alles war okay. Keine Aufregungen. Kein Stress. Wunderbar.
Wir machten WDR4 an.
"Du kannst nicht immer Sieb-Zehn sein...."
"ohoooo selavi..."
Es kamen noch viele andere Bombenschlager.
Unsere Laune war super.

Aber dann schlug scheinbar der Blitz ein.

10 Uhr: Wir baten um eine Kontrolle der Paletten.
Nix passierte.

10.10 Uhr: Wir baten um eine Kontrolle der Paletten.
Nix passierte.

10.30: Jan ging in den Frühstücksraum und bat um eine Kontrolle.
Nix passierte.
Reaktion:" Wir machen gerade Pause. Wir kommen jetzt nicht."

Wir kochten vor Wut.
Um 10.45 Uhr sollen die Paletten fertig zum verladen sein.

10.50 Uhr: Ich ging zur NR1 EINE kleine Mini-Box Medikamente wegbringen.

10.51 Uhr: Es kamen Cytos für die NR1. Ich war natürlich schon weg.

--> Weil sich die Leute in der Apotheke absolut gar nicht absprechen, konnten wir dann zweimal gehn. Aber die Cytos sind ja sooooo wichtig. Deswegen stehen sie immer 2-3 Stunden ungeöffnet auf den Stationen rum

11 Uhr: Es wurde endlich ANGEFANGEN zu kontrollieren.
Jürgen, der Fahrer, hatte aber noch andere Touren und wollte unsere Sachen nicht mehr mitnehmen. Da er gesehen hatte, dass wir nicht Schuld waren, brachte er unsere Sachen dann um 11.15 Uhr doch nach unten zum Krankenhaus.

11.30 Uhr: Arbeitsbeginn eine gute halbe Stunde zu spät

12 Uhr: Abholung der OP-Lagerware

Da wir um 13 Uhr wieder oben sein müssen um die blauen Boxen zu laden, mussten wir spätestens um 12.30 mit der Pause beginnen, damit wir überhaupt noch eine Pause machen könnnen.
Es lief also alles ziemlich scheiße.

Wir konnten in der kurzen Zeit vor der Mittagspause nur eine Palette wegbringen und abladen.

Wir machten also anschließend Pause.

13 Uhr: Beladung des LKW mit blauen Boxen.

13.20 Uhr: Wir fahren runter zum Krankenhaus

Ab diesem Zeitpunkt wurde der Tag aber verwunderlicher Weise lustig.

Wir kamen unten an der Schleuse an.
In etwa 30 Metern Entfernung lag ein Mann auf dem Boden.
Er guckte sehr benommen. Bei ihm standen ein Paar Leute.
Wir fragten uns was da los sei.
Ich:" Ich glaub der macht Pause oder so."
Martin:" Momentmal. Da liegt Glas. Der wird doch nicht....."
Ich:" Ach du scheiße."
Jan:" Wooo. Wie krass ist das denn."

Der Typ namens Knut ist aus ca. 5 Metern höhe durch eine Glasüberdachung gefallen.
Nun lag er da auf dem Boden. Er lebte noch. Er selber war sich glaube ich aber nicht so sicher, dass er noch lebte. Das muss ein Sturz gewesen sein. Vom feinsten.

Nun kommt eine Schilderung wie der Sturz höchstwahrscheinlich(!!!) von statten gegangen ist.
Knut balancierte auf der Glasüberdachung um eine dahinter liegende Wand zu streichen. Knut ist Maler. Als Knut fertig war, freute er sich sehr.
Er fing an zu tanzen und zu singen.
"Baby, jump on it, jump on it, on it, on it."
Er machte diese Schlangenbewegung, die Spackos beim Tanzen machen, immitierte tanzend einen Roboter und machte anschließend einen Moonwalk a la Michael Jackson.
Dann hat er Bautz gemacht (<-- Babysprache : bedeutet soviel wie "ist hingefallen") Hattabautzemacht, aus 5 Metern höhe. Free Fall Knut. Er hat einen Legdrop gemacht. Sprung vom 5-Meter Turm ohne Wasser. Knut hat sich einfach mal in einer Sekunde dem Erdmittelpunkt um 5 Meter genähert. Pschiiiiiuuuu (Geräusch des Fluges) Plaaaatsch (Geräusch beim Auftreffen. Wir arbeiten ja in einem KRANKENHAUS, wie der aufmerksame Leser weiss. Knut wurde ca. 20 Minuten später abgeholt. Also wenn einem was passiert, ist man hier nicht soooo gut aufgehoben. ---> Niemals verletzen.

Wir spulten unsere Arbeit ab. Wir stellten verschiedene Szenarien auf, wie es Knut passiert sein könnte. Die mit dem tanzenden Knut ist mir jedoch die logischste Variante.

Auf der NR2 kam uns ein singender Mann entgegen.
Jan: "Sie können aber schön singen."
Der Mann kam auf Jan zu. Er stoppte ca. 20 cm vor Jans Gesicht. Ich dachte Jan wird nun ordentlich zusammen geschlagen. Man sah es Jan an, dass er das gleiche dachte.
Mann:" Jo, ich war früher Tenor."
Puhhh, durchatmen.

Auf der INT1 erzählten wir die Geschichte mit dem fallenden Knut.
Schwester:" Sowas ist ja wohl nicht lustig."
Pfleger:" Doch, ich finde sowas sogar sehr lustig."
Da war die Schwester ein bischen angepisst.
Ich konnte nicht mehr vor lachen.

Obwohl der Tag sehr stressig war und der Spaß lange Zeit auf der Strecke blieb, muss ich sagen dass wir heute sehr viel gelacht haben.
ABER seitdem der Chef weg ist läuft alles scheiße.
Die dumme Vize-Cheffin ist echt inkompetent und unfähig.
Bitte lieber Ed, komm zurück zu deinen Zivis. Bitteeee!!!!



Frau K. am Ende des Tages:" Sie sehen aber fertig aus."
Jan:" Da die Kontrolle erst so spät kam, hat sich alles total verschoben und es hat nix mehr gepasst."
Frau K.:" Dann müssen sie eher um die Kontrolle bitten."

Morgen bitten wir dann um kurz nach 8 um die Kontrolle. Dann sind wir auch um halb 11 fertig.



Nachtrag zum Tage:
Als wir Sachen in den OP brachten kamen aus dem Operationssaal ein paar Leute.
Anfangs dachte ich es wären 2 Leute.
Insgesamt 15 oder so.
Aber es kamen immer mehr und immer mehr.
Alle Menschen die aus diesem Raum kamen, hatten komplett grüne Anzüge an. Grüne Mützen. Man konnte nur das Gesicht sehen.

Wir standen nun da. Liessen sie vorbei. Lachten über den Entenmarsch, den sie vollführten.
Dann passierte etwas sehr komischen.
Jan:" Hallo Jörg, Guten Tag Michael, Hi Stefanie, Hi Ulf, schön dich zu sehn, Guten Tag Jochen, du alter Knochen, Hi Stefan........."
Ich kapierte nicht was Jan da machte.
Er begrüßte alle mit dem Vornamen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Woher kennt Jan nur all diese Leute??? Die Reihe setzte sich fort. Bei der letzten Person löste sich das Rätstel auf.
Alle trugen ein Namensschild an der Vorderseite. Jan, der Fuchs, konnte das Schild sehen. Aus meiner Perspektive war es leider verdeckt.
Die Blicke der Menschen, die da heraus kamen waren der Hammer.
Auch sie verstanden wohl die Welt nicht mehr

Bis morgen.

Dienstag, September 12, 2006

Einundreißigster Arbeitstag

Und es geht abwäääääärts.
Wer dachte gestern war der Tiefpunkt der sollte heute entäuscht werden.
Gegen 9 Uhr bekamen Jan und ich geradewegs einen dicken Schlag ins Gesicht.
Unsere wehrte Vize-Chefin, die im Moment unsere Chefin ist, da der Chef ja Urlaub macht war der Täter.

Frau K: "So, ich hab dann mal mit dem Herrn K. vom Einkauf gesprochen und wir haben jetzt abgemacht, dass ihr um 12 Uhr OP-Lagerwahre in den OP bringt."
Jan und ich waren erstmal sprachlos.

1.) Ist das absolut nicht unsere Aufgabe
2.) Sind wir um 12 Uhr gerade dabei Infusionen zu verteilen
3.) Wir müssen um 12.50 wieder an der Apotheke sein, um beim beladen zu helfen. Das heisst wir müssen spätestens um 12.20 Uhr mit unserer Pause beginnen, damit wir das alles rechtzeitig schaffen.
4.) Müssen wir immer wieder zur Apotheke um Cytos zu verteilen

Es kann also vorkommen, das dann einfach mal ne halbe Stunde lang niemand Infusionen verteilt, da wir ja gleichzeitig Cytos und OP-Lagerware machen müssen.

Nachdem wir der Vize-Chefin die Kritikpunkte an ihrem System näher brachte kam der Schlag ins Gesicht.

Frau K.:" Hihihi, ihr seid ja zu zweit, und ich steh da jetzt ein bischen zwischen den Stühlen. Ich hab das jetzt so abgemacht und das wird so gemacht bis der Herr Dr. wieder da ist."

Danach war der Tag für uns dann so gut wie gelaufen.
Wir stellten um von Toleranz auf Konfrontation.
Wir suchten alos von nun an Ärger auf den Stationen. Leider wollte sich keiner mit uns streiten.
Somit waren wir sauer, aber konnten es nirgendwo auslassen.

Gegen Ende des Tages hatten wir noch ein wenig Spaß.
Ich schob Jan, der auf einer Palette saß quer durch das Krankenhaus. Wir ernteten teilweise lachen und Kopf schütteln.
Dann zog Jan mich den Berg hoch, während ich auf dem Hubwagen stand.
Das war alles wirklich spassig.

Jan machte heute seine AZV- Arbeits-Zeit-Verkürzung.
Ich war dann die letzte Stunde alleine.
In dieser Zeit räumte ich ein wenig auf, machte dies und das.

Wenn man diesen Tag zurückblickend beurteilt, muss man sagen, dass er in der Top5 der schlimmsten Tage zu finden ist.
Diese verdammte dumme scheiß Eule hat mir den ganzen Tag, vielleicht sogar die ganze Woche versaut.

Danke und bis morgen.

Montag, September 11, 2006

Dreißigster Arbeitstag

So Leute,
es wird langsam deprimierend.
Zwar war der Tag heute okay, aber es sind immer so kleine Sachen am Tag, die es mir echt schwer machen nachträglich noch einen Bericht zu schreiben.
Erinnert man sich an die lustigen Dinge des Tages kommen einem die scheiß Dinge des Tages umso mehr hoch, sodass man kotzend in der Ecke liegen könnte und möchte.

Da denkt man, man könnte den Arbeitstag locker runter arbeiten, aber dann werden einem von überall her fette Steine und Felsen in den Weg gelegt, sodass einem die Galle nur so hoch kommt.

Dann ist auch noch der Chef weg und nur noch seine Vertretung übrig.
Die guckt die verdammte ganze Zeit wie eine scheiß Eule, sodass man nur allzu gerne mal rein schlagen möchte. Sagt keinen Ton, guckt bescheuert und ist unsympatisch wie ein Stück Hühnermist.
Dann kommen jede Stunde diese verdammten verfickten Cytos, sodass man die Arbeit immer unterbrechen muss.
Dummerweise haben wir heute auch kacke gebaut, da wir ZWEIMAL Cytoboxen abgeholt haben, die noch voll waren.
Daraus ergab sich mehrere Funkanrufe auf unseren verdammten Pieper, den ich nur zu gerne der scheiß Eule in ihre hässliche Fresse schieben würde. Das war jetzt übrigens aller feinstens Ruhrpott-deutsch. Aber ich werde das jetzt gewiss nich korrigieren, da ich diese Worte um genau 20.30 Uhr schreibe und gerade zu sehr in rage bin. Ich weiss zwar nicht, was die Uhrzeit mit der korrekten Rechtschreibung zu tun hat, aber ES IST MIR EGAAAAL!!!

Ach ja, heute war Jan ja wieder da. Aber wenn ständig irgend welche Leute einem scheiß Aufgaben geben, kann man auch 10 Leute sein und man kommt trotzdem nicht ausm Quark.
Heute war es auch dazu noch sehr warm.
Hammer kotzt mich das alles an.

Ich bin momentan echt an einem Tiefpunkt angelangt und ich würde mich sehr über eine Krankheit oder Verletzung freuen, solange sie nicht allzu schlimm sind.

Lange Zeit konnte man es nicht mehr behaupten, aber seit circa 4 Arbeitstagen suckt Zivildienst auf aller höchstem Maße.

Ich habe vor lauter Hass sogar heute eigentlich keine Lust gehabt einen Bericht zu schreiben aber dieser verdammte gequirlte mülliger Müll-Müll³ (Müll-Müll hoch 3) musste nun mal raus.


Hiermit entschuldige ich mich für meine benutzten Kraftausdrücke und die Fäkalsprache.

Tschüss

Sonntag, September 10, 2006

Neunundzwanzigster Arbeitstag

Nachträglicher Bericht zu Freitag, den 08.09.2006:

Freitag war der bisher schlimmste Tag in meiner neunundzwanzigtägigen Arbeitszeit.
Es gab nicht äußerst viel zu tun, nein, auch die Fahrer kamen immer ne halbe Stunde zu spät.
Hört sich wenig an, ist aber ziemlich viel.
Ich war erst so spät fertig, dass mehrere Stationen schon geschlossen hatten, wie zum Beispiel die orthopädische Ambulanz und die Gefäßchirurgische Ambulanz.

Dennoch musste ich ein zwei mal an diesem beschissenen Tag lachen.
Zum Beispiel als ich auf der NR3 war und Infosionen wegbringen musste.
Auf einmal stand eine Oma hinter mir.
Oma:" Junger Mann. Helfen sie mir mal bitte!"
Ich:" Warten sie, ich hole eine Schwester."
Oma:" Junger Mann. Helfen sie mir mal bitte!"
Ich holte einen Pfleger.
Oma:" Junger Mann. In meinem Zimmer ist ein Gerät aus dem kommt so komische Musik, meine Ohren, das tut weh, ich kanns nicht mehr hören, das tut weh in den Ohren."
Pfleger:" Alles klar Frau S.. Ich mach das Radio gleich aus."
Da musste ich schon ein wenig lachen. Erst überlegte der Pfleger sichtlich, was die Oma meinte, dann viel der Groschen und er verarschte sie.
Lustiger listiger Pfleger.

Eine weitere Situation heute war so lustig, dass ich erstmal 10 Minuten nicht arbeiten konnte.

Also, die LKW kommen bei uns an einer Rampe an. Dort wird die Laderampe der LKW runter gelassen um Paletten in die LKW zu bekommen.
Wir schoben also einen Wagen auf die Rampe.
Vor Ort waren Jürgen, Tommek, Michael, Martin und Ich.
Martin hielt den Wagen fest damit er nicht runter rollte. Tommek fuhr die Laderampe hoch.
Der Wagen wurde in den LKW geschoben. Geschätzte 1,4 Sekunden später gab es einen Knall und einen Schrei.
Marin, der den Wagen zuvor noch festhielt, machte einen Schritt nach hinten.
Dummerweise war die Laderampe oben. Er rutsche aus, kam mit dem linken Bein in die Spalte zwischen Rampe und Laderampe. Er schrie noch einmal kurz, klatsche dann mit dem Arm auf der Rampe auf.
So lag er dann da. Das eine Bein oben, das andere Bein unter der Laderampe, liegend auf der Betonrampe der Apotheke.
Leider muss ich bei soetwas immer erst lachen, bevor ich fragen kann was los ist.
Jürgen kam direkt angesprungen.
Jürgen:" Martin, alles klar? Warum liegst du denn da auf dem Boden. Du musst stehen, nich liegen"
Martin erzählte seine Art der Geschichte, wobei er immer für einige kurze "ahhs" und "mhhs" unterbrach. Diese Unterbrechungen und sein schmerz verzertes Gesicht ließen auf Schmerzen schließen.
Tommek, Michael und ich fuhren 5 Minuten später runter zum Krankenhaus und lachten erstmal 10 Minuten über die Situation.
Vorallem Jürgens Spruch war der Hammer.
Martin ist übrigens nichts passiert. Nicht das ich dann irgendwelche Anfragen bekomme wie es ihm geht. Er hat Schürfwunden am Arm und ein dickes Knie.

Freitag war der letzte Tag des Chefs. Also nicht für immer, sondern für 2 Wochen.
Ich verabschiedete mich natürlich wie es sich für einen guten Zivi gehört.
Ich:" Chef, schönen Urlaub und danke für das Vertrauen, dass ich die nächsten 2 Wochen die Leitung der Apotheke übernehmen darf."
Dr. Incredib:" Reden sie keinen Quark Tim. ICH bleibe der Herrscher in diesem Reich auch wenn ich im Urlaub bin. In 10 Jahren können sie das hier von mir aus übernehmen. Dann sage ich nämlich "Tschüss Tim, wir sehen uns in der Hölle"."
Ich:" Sie wollen in 10 Jahren sterben?"
Dr. Incredib:" Nein, da geh ich in Rente."

So das wärs dann mal wieder.
Ich entschuldige mich aufrichtig beim Leser für meine geringe Motivation am Freitag und Samstag diesen Bericht zu schreiben.
Aber nachdem ich Freitag nach Hause kam war meine Laune so schlecht, dass ich echt erstmal die Schnauze voll hatte.

Donnerstag, September 07, 2006

Achtundzwanzigster Arbeitstag

Die DT2 Story von gestern ist heute eskaliert.
Es war der Hammer!!!
Aber nun zur Geschichte:

Heute morgen war ich auf der Suche nach roten Kisten.
Die brauchen wir ja bekanntlich um Chemo-Sachen zu transportieren.
Ich kam also an der DT2 vorbei, nahm eine rote Box und ging weiter.
Schwester:" Mooooment junger Mann."
Ich drehte mich um.
Schwester:" Nehmen sie sofort die blauen Boxen mit!"
Ich:" Nein, kann ich jetzt nicht machen. Ich habe keine Möglichkeit die zu transportieren. Ich nehme die mit, wenn ich heute Mittag mit nem Wagen hier bin."
Schwester:" So geht das aber nicht. Die Boxen stehen hier schon Wochenlang im Schrank."
Ich:" Wenn die Wochenlang hier stehen würden, dann wären es 30 Boxen und nicht 3."
Schwester:" Sie nehmen sofort die Boxen mit."
Ich:" Nein, ich denke nicht."
Schwester:" Ich habe gestern mit einer Kollegin von ihnen telefoniert und die hat mir gesagt, dass die gestern abgeholt werden."
Ich:" Das stimmt so nicht. Ich stand die ganze Zeit neben meiner Kollegin, als sie beide telefoniert haben. Und da war keine Rede von gestern, geschweige denn von heute. Ich habe ausrichten lassen, dass ich die morgen abhole, also Freitag."
Schwester:" Ich habe mehrmals angerufen, dass die Boxen bis heute um neun Uhr abgeholt werden."
Ich:" Denken sie ich mach hier Ausnahmen für jede Station? Und was soll das überhaupt das sie mich sofort bei meinen Vorgesetzten anschwärzen? Ich war gestern 4 mal hier auf der Station und nie war die Rede davon. Dann bin ich oben, habe Feierabend, da rufen sie an und wollen sofort bedient werden. Zwei Minuten später rufen sie erneut an und drohen mit einer Beschwerde. Ich brauch mir auch nicht alles gefallen lassen."
Schwester:" Sie nehmen die Boxen JETZT mit."
Ich:" Nein!"
Dann bin ich gegangen.
Ein älteres Ehepaar beobachtete die Situation. Ich fragte sie wer der Gewinner sei und sie antworteten das ich gewonnen hätte.

Aber es ging noch weiter. Als ich Mittags die Boxen abholte sagte die Schwester
"Das wird aber auch langsam Zeit. Wir können ja nicht ewig warten."
Ich:" Wollen sie mich provozieren oder was? Wenn sie nun auf dieses Niveau abrutschen wollen können sie das gerne tun. Über sie kann ich eh nur lachen."

Kurz bevor ich Feierabend hatte, kam eine Kollegin zu mir.
Ich habe gerade den Namen vergessen.
Frau:" Tim, ich muss mit dir Schimpfen. Ich war gerade auf der DT2 und die haben mir gesagt, dass du die Boxen nie abholst."
Ich:" Wie bitte? Ich war vor 2 Stunden da. Ich habe alles mitgenommen."
Frau:" Die auf der Station sagten mir, da wären viele Boxen die nicht abgeholt worden sind. Die haben sich ebenfalls über deine patzige Art beschwert und das du heute morgen sehr unfreundlich warst."
Ich erzählte ihr die Story.
Frau:" Kannst du dann trotzdem gleich noch vorbei gehen und schauen ob die rote Kisten da haben. Blaue Kisten sind ja egal, aber die roten sind ja wichtig."
Ich ging dann noch zur DT2 und natürlich waren kein Kisten da.
Weder rote noch blaue Kisten. Das war also reine Schikane.
Fortsetzung folgt...

Außerdem musste ich heute 20 Liter Aqua Bidest von der Histologie zum Labor L13 tragen.
Insider wissen, dass der Weg sehr scheiße ist.
Ich würde mal auf 500 Meter schätzen und die halbe Strecke geht es steil bergauf.
Als ich oben war hatte ich echt die Schnauze voll.
Dummerweise habe ich am Montag die 20 Liter zur Histologie getragen. Das war also Falsch. Naja, eigene Schuld.

Mittagessen:
Zigeunerschnitzel mit Kartoffeln.
Note: 2

Weitere Geschehnisse des Tages:
- der Alles-Cremig-Jürgen ist aus dem Urlaub zurück
- ich begrüßte Jürgen heute mit "Alles pflaumig"
- wir haben eine Praktikantin. Sarah, so um die 18 Jahre alt
- der Chef geht Montag für 2 Wochen in den Urlaub
- ich musste heute 4 mal Cytos wegbringen, obwohl ich alleine bin. (Es ist schon schlimm genug wenn man zu zweit ist und 4 mal Los muss)

so, das wär dann alles für heute.

P.S.: Ich geh jetzt in die Stadt zum HCR-Shop.
Dort werde ich mein Ticket 1000 umbuchen oder weiss Gott was damit machen.
Vielleicht schleuder ich es der Frau auch einfach nur ins Gesicht.

Mittwoch, September 06, 2006

Siebenundzwanzigster Arbeitstag

Soo lieber Leser, es ist soweit.
Auch der Tim wird nun wahrscheinlich eine Beschwerde erhalten.
Nachdem Jan schon nach 5 Tagen eine Beschwerde inne hatte, bin ich "erst" jetzt dran.

Es war so:
Heute musste ich viermal zur Station DT2.
Ich musste...
- Infusionen
- Medikamente
- Chemotherapien
- ein Päckchen
...hinbringen.

Als ich heute um 15.30 endlich mit meiner Arbeit fertig war, was sehr spät ist für unsere Verhältnisse, rief die DT2 eine Kollegin von mir an und sagte ihr, ich solle sofort die Boxen abholen.
Karo kam zu mir, teilte mir das Problem mit.
Ich sagte, dass ich das nicht machen werde, da die mir das vorhin hätten sagen können, als ich bei denen war. Ich war heute nämlich vier mal da.
Die Frage die ich mir dann stellt: Wo sind überhaupt diese scheiss blauen Kisten auf der DT2.
Die Frage leitete ich an Karo weiter, die sie der Schwester stellte.
Die Kisten seien im Schrank. Leider weiss ich nix von Kisten im Schrank. Ich habe noch nie fucking Kisten aus irgendeinem fucking Schrank geholt.
Ich regte mich ein wenig auf, maulte rum usw.
Karo legte auf.
Eine Minute später rief die Schwester an.
Die Kisten seien vor die Tür gestellt worden und wenn ich sie Donnerstag nicht abholen würde, würde sie sich beim Chef beschweren. Ich sagte über Karo, dass sie sich so lange beschweren könne wie sie wolle. (den Spruch hab ich von Jan).
Das gute ist, dass ich morgen gar nicht in dieses Haus gehe, da ich morgen in der Kinderklinik bin. Lustig.
Ich hab meinem Chef dann auch anschließend mitgeteilt, dass morgen eine Schwester anrufen wird, die sich über mich beschweren will.
Kommentar meines Chefs: "Tim, wo ist denn die Dramatik an dieser Geschichte. Soll sie sich doch beschweren, wenn sie meint. Das ist ja reichlich unspektakulär."

Nachdem mir diese Kacke die Laune verdorben hat und ich dann irgendwann zuhause war, lag ein Brief auf meinem Schreibtisch.
Von der HCR.
"Wir freuen uns, sie ab dem 01.09.06 als Abo-Kunde begrüßen zu dürfen."
Überlegen wir mal. Habe ich nicht letzen Donnerstag in meinem Bericht geschrieben, dass die HCR micht nicht als Abo-Kunde braucht bzw. will?

www.zivildienst-sucks.blogspot.com/2006/08/dreiundzwanzigster-arbeitstag.html

So, ich habe das Abo letzte Woche zum 01.10 abgeschlossen und mir für diesen Monat ein normales Ticket gekauft.
Jetzt habe ich also zwei Tickets. Ein normal gekauftes und ein Abo Ticket.
--> doppelter Preis
Verdammte scheiß Wichser.
Wenn ich in den Vertrag "AB OKTOBER" schreibe, was könnte das dann bedeuten?
Klaro, bedeutet ungefähr "AB SEPTEMBER". Das hätte ich wissen müssen.
Jetzt habe ich wieder die Kacke am Bein, weil irgendwelche Spackos meinen, dumm sein zu müssen. Scheiß HCR. Dann ruft man da an und will sich beschweren, dann nimmt keiner ab.
Wer Lust hat könnte mal gerne eine Briefbombe da hin schicken.

Wie ihr seht habe ich wunderbare Laune!

Noch ne coole Geschichte von heute:

Gegen Mittag fuhr ich mit einem Hubwagen zum Hostel-Aufzug.
Gerade als ich ankam stieg eine Schwester mit zwei unbesetzten Rollstühlen ein.
Ich wollte gerade rein fahren.
Schwester:" Neeein. Das passt nicht!!!"
Ich: "Das passt fünf mal. Geh bitte zur Seite."
Schwester:" Neeeein!!! Nimm den nächsten Aufzug."
Ich:" Was soll der kack denn. Ich pass doch locker rein. Und jetzt mach Platz da."
Schwester:" Neeeein."
Die Tür schloss sich und ich konnte sie nicht mehr schnell genug blockieren.

Ca. 20 Minuten später im gleichen Aufzug.
ICH war drin. Mit meinem Hubwagen und einer Palette und noch einem Mann.
Wer stand vor der Tür? Genau! Die Schwester.
Schwester:" Fahr mal zur Seite. Ich fahr mit."
Ich:" Neeein!"
Ich fuhr dann ein Stück vor, sodass sie nicht hinein kam.
Sie:" Was soll das denn?"
Ich:" Das passt nicht."
Sie:" Klar pass ich hier noch rein."
Ich:" Wenn du deinen fetten Arsch ablegst, vielleicht. Mit deinem Fettarsch?. NIEMALS."
Der Mann der mit mir im Aufzug war lachte.
Die Schwester kochte vor Wut.
Matchwinner: TIM !!!

Dann habe ich heute noch einen lustigen Zettel gesehen.

"Bitte die Infusionen vor Gebrauch dezinfinieren."

Klassischer Fall von multiplem Buchstabendreher.
zin = sin
nieren = zieren

So, das wärs dann für heute.


P.S.: Heute kam ein gewisser Stefan R. in die Apotheke. Er arbeitet für eine Apotheke in Herne.
Ich kenne ihn schon ziemlich lange. Mit ihm habe ich meine erste Zigarette geraucht.
Was heisst EINE Zigarette. Wir haben eine Schachtel Billig-Zigaretten von seinem Opa geklaut, dann mitm Bike in Wald und dann haben wir die ganze Schachtel auf Backe weggehauen. Dann war uns schlecht, aber das war unwichtig.
Man, waren wir cool!!!!
Stefan fragte mich heute ganz verschüchter, ob er in den Tagesbericht kommen darf.
Ja Stefan. So geht das. DU BIST DABEI.
Herzlichen Glückwunsch.
Wenn ihr Stefan beglückwünschen wollt, könnt ihr das gerne in den Comments tun.
Danke!!!

Dienstag, September 05, 2006

Sechsundzwanzigster Arbeitstag

Ich möchte diese tägliche Kolumne nutzen um einen Brief an Jan zu schreiben.

Hallo Jan, mein wehrter Kollege.
Wie geht es dir? Mir geht es gut.
Das Wetter ist schön.
Wie ist das Wetter bei dir?
Heute war ein sehr lauer Tag. Ich war um viertel vor Neun fertig mit allen Sachen die ich packen musste. Ich musste heute vier mal Chemotherapien wegbringen. Das war nervig. In einem Auzug traf ich einen älteren Mann. Er sagte ich sei der wichtigste Mann im Krankenhaus, da ich die Chemos bringe, die ihn am Leben erhalten. Das war ne eigenartige Situation. Der Mann hatte sich scheinbar schon mit seinem Tod abgefunden.
Heute habe ich Biosorb getrunken. Wie du weisst, ist Biosorb ein Aufbaunahrungsmittel.
Ich habe die Geschmacksrichung Schokolade probiert. Die Dose war aber schon abgelaufen.
Ich habe nur einen Schluck getrunken. Dann haben Kerstin und ich die Geschmacksrichtung Vanille probiert. Nachdem Kerstin einen Schluck genommen hatte lief sie würgend durch die Gegend. Sie hätte gerne gekotzt, sie wusste nur nicht wohin. Ich hab dann auch einen Schluck getrunken. Ich sage dir: ES IST DER HAMMER!!!
So etwas ekliges habe ich noch nie getrunken. Schmeckt nach Fäkalien.
Dr. Incredib bezeichnet mich immer als "Einzelkämpfer Tim" oder "einsamer verwahrloster Junge". Er macht sich große Sorgen um mich, da ich alleine bin.
Soweit läuft aber alles nach Plan. Gestern und heute waren so wenig Dinge zu tun, wie nie zuvor an einem Montag oder Dienstag.
Das ist natürlich gut für mich.
Lieber Jan, ich wünsche dir noch viel Spaß in deinen Ferien.
Lass es dir gut gehn und spül dir mal ordentlich den Darm durch.
dein Tim


Zum Abschluss eine lustige Geschichte des Tages.
Tommek der Fahrer, ehemaliger Türsteher in Polen: "Früher, in Polen, ich habe gewartet ein Jahr lang auf eine Banane"
Tim:" Boar, so lange?"
Tommek:" Ja, es gab ja nix. Man warten musste lange auf so etwas."
Ich lächelte ein wenig
Tommek (sauer!!!!):" Hör lachen auf. Ist nix lustig. Das ist ernst und du lachst."

Da war ich dann ein wenig eingeschüchtert, aber der Tommek kann bestimmt keiner Fliege was zu leide tun. Hoffentlich!!!!

Bis morgen.

Montag, September 04, 2006

Fünfundzwanzigster Arbeitstag

Guten Tag,
wie ihr schon Freitag erfahren habt, bin ich diese Woche alleine auf der Arbeit.
Mein Kollege,
(Ach wie heisst er noch?Jun?Jon?Ahh Jan heisst er glaube ich)
ist ja auf einem Einführungslehrgang.
Nun einige Reaktionen auf Jans Fehlen.
"Jawoll!"
"Puhh, eine Woche Ruhe."
"Endlich ist dieser $§%!$-Junge weg."
"Der kann da ruhig bleiben."
"Der Spacko-Zivi ist nicht da. Juchuuuu."

Sorry Jan, aber scheinbar vermisst dich hier niemand.

Aus einer gewissen Quelle habe ich einen Brief bekommen, den Jans Mutter an Jan geschrieben hat. Hier der ganze Brief.

Hallo mein kleiner Pupsibär.
Nun ist es endlich soweit. Unser kleiner Jan-Hans-Uwe wird erwachsen und verlässt das schützende Nest. Für dich ist es das erste Mal, dass du solange Zeit von deiner Mami und deinem Papi getrennt bist. Wir vermissen dich jetzt schon! Zum Glück hast du ja Bärchen dabei (Jans Kuscheltier). Dann bist du nicht so alleine. Wenn du weinen musst, dann schäme dich nicht für deine Tränen. Jeder vermisst seine Mami und seinen Papi.
Denke daran dich richtig zu waschen. Auch deinen kleinen Pullermann darfst du nicht vergessen. Da hast du ja hin und wieder mal ein Problemchen. Wenn du mal Groß auf der Toilette musst, kannst du ja einen deiner Freunde fragen ob sie dir helfen. Wenn einer der Zivis böse zu dir ist, haue ihn nicht. Gehe zuerst zu den Betreuern und sage, dass dich einer ärgert. So wie du es auch immer zuhause machst.
Ich habe den Betreuern gesagt das du TÄGLICH mit Wick Vaporub eingecremt wirst, bevor du ins Bett gehst. Um 8 Uhr ist für dich Schlafenszeit!!!
Wechsle auch täglich deine Unterwäsche und denke dran: Morgens Aronal, Abends Elmex.
Ich glaube es kann nichts passieren wenn du diese Tipps befolgst.
Wir vermissen dich und freuen uns auf dich, lieber Pupsibär.
Deine Mami und dein Papi.

Das ist jetzt aber mal harter Tobak. Ich hätte nicht gedacht, dass Jan so fixiert auf sein Zuhause ist.
Ich habe heute übrigens malocht wie ein Borstenschwein.
Ehrlich gesagt, ist dieser Job alleine schon sehr nervig.
Wenn mein Untergebener da wäre, hätte ich heute viel weniger arbeiten müssen.
Nun einige Infos für Jan:
- 4 Holzpaletten
- fertig gepackt um 10Uhr
- 5 Medi-Pack-Wagen
- weg gebracht bis 14.30 Uhr

Dieses Ereignis geschah übrigens letzte Woche.
Ein Karton fiel auf dem Boden.
Der Aufschlag wurde mit einem Ton begleitet, der allgemein als Klirren beschrieben wird.
In dem Karton war also etwas drin, das aus Glas war und das von nun an nicht mehr in diesem Glas drin ist

ES LIEF ETWAS AUS!
Jetzt denkt der Leser: Oh mein Gott. Wie verrückt ist das denn? Da kann doch nicht einfach so etwas auslaufen!
Ich sage euch: DOCH! Genau so war es.

Irgendwie musste es sauber gemacht werden. Also holte ich unsere Putzfrau. Frau Salm.

Ich:“ Fräulein Salm. Könnten sie einmal bitte kommen. Ich hab da was verschüttet.“
F.S.:“ Pass auf dooo. Isch bin kein Fräulein. Isch bin ne ausgewachsene Frau.“
Ich verkniff mir das lachen. Frau S. kam in das Lager und wollte sauber machen.
Ich forderte Jan zuvor auf, Frau S. mit Fräulein anzureden.

Doch Jan verstand es akustisch nicht.

Jan:“ Frau Lein. Machen sie hier sauber? Frau Lein.“
Ich machte mir fast in die Hosen vor lachen.

(Wieso macht man sich eigentlich in DIE HOSEN vor lachen? Also Plural. Ich habe doch nur EINE HOSE an!!! Komisch komisch)

Ich flüsterte Jan ins Ohr, dass er “junges Fräulein“ sagen solle.
Jan:“ Machen sie hier sauber, junges Fräulein?“
Frau S.:“ So longsom reichts mir aber. Isch bin ne ausgewachsene Frau und kein Fräulein. Da wer isch grantisch.“
Das lustige an der Sache ist Frau S. selber. Sie sieht aus wie ne kleine, dicke Hitler-Frau. Dann spricht sie ungefähr so wie Luise Koschinski.

Ihre Lieblingssprüche:
“Herr Gott Sakrament“ - Verdammte Scheiße
“Poss oof dooo“ - Pass auf du.
“Kaffee is feddich.” - Der Kaffee ist bereit zum servieren
“Wat solli machen?“ - Was kann ich für sie tun?

Frau S. ist aber echt ne Liebe. Zwar etwas derbe, aber die ist sich für nix zu schade.
Einmal ist Jan mit dreckigen Schuhe auf das gerade geputzte Klo gegangen.
Da hat sie nur einmal “Jessus Maria“ gesagt und weiter geputzt.


Heutiges Mittagessen: Tortellini mit irgend ner Sauce
Note: 3+

Mehr sag ich nicht für heute.

Bis morgen.




Freitag, September 01, 2006

Vierundzwanzigster Arbeitstag

Power Friday war mal wieder angesagt.
Morgens Powern, damit man Mittags ein wenig Ruhe hat.
Wir sollten um 10.30 fertig mit packen sein, damit Tommek, der Fahrer, es einladen konnte.
Wir waren Punkt 10.30 fertig aber Tommek war nicht in Sicht.
Nachdem wir ein wenig sauer wurden, da er unsere Arbeitszeit stahl kam er dann irgendwann.
Es war 11 Uhr. Tommek saß die ganze Zeit in seinem LKW vor der Tür und wir haben ihn nicht gesehen.
Tommek:"Jungs, so geht das nicht. Ich hab noch andere Sachen zu tun."
Der ehemalige polnische Türsteher macht einen imposanten Eindruck.
Aber Zivis kennen keine Angst.
Wir erklärten die Situation. Tommek zermatschte kurz Jan. Riss ihm den Hals ab und schiss rein. Vor mir hat er scheinbar Angst. Er machte eine Verbeugung vor mir und verschwand.
Ich schlug mit meiner Faust gegen die Wand, wodurch ein Loch enstand.
Durch die Druckwelle wurde Tommek dann umgeschmissen.

Im Krankenhaus mussten wir die Pakete verteilen.
Wir machten alles blitzschnell.
Auf einmal lief eine Flüssigkeit aus. Jan packte aus versehen hinein.
Danach bildete sich ein Belag auf der Hand, ähnlich wie Kreide.
Die Hand wurde grün und blau. Ich rettete Jan in einer spektakulären Aktion.
Ich trug ihn nach oben und fragte was es gewesen sein könnte.
Wir konnten die Flüssigkeit nicht indentifizieren.
Wie sich rausstellte war es leider nix schlimmes, sodass Jan keine bleibenden Schäden haben wird.

Da wir sehr viel arbeiteten und nur wenig redeten, kann ich mich nur an wenige Situation erinnern die lustig waren:
Schwester zu Jan:" Wo ist die Apotheke?"
Jan:" Da müssen sie den Berg hoch."
Schwester: " Nein, wo die Apotheke ist, will ich wissen."
Jan:" Ja, den Berg hocht."
Schwester:" Auf Etage 4 oder wo?"
Jan:" Was wollen sie? Sie müssen DEN BERG HOCH!"
Die Schwester stieg dann bei Etage 3 aus und suchte auf dem Schild nach Apotheke.
Schwester:" Hier ist ja gar nicht die Apotheke."
Nur verwirrte komische Menschen im Krankenhaus. Wir haben die Schwester dann zwangseinweisen lassen. In die Psychatrie. Als Zivis dürfen wir das!
(Vorsicht lieber Leser. Schon morgen könntest du in der Klappse sein)

Jan ist nächste Woche auf einem Einführungsseminar des Zivildienstes in Bocholt.
Dort wird er sich die Rosette versilbern lassen...sich ordentlich den Arsch vertsohlen lassen....rektale Erfahrungen machen.... ihr wisst ja was ich meine ... Knick Knack in den Boppes.

Als wir gegen Ende des Tages wieder oben in der Apotheke waren kam es zu der folgenden Situation:
Jan:" Dann bist du ja nächste Woche alleine. Dann wird hier einiges schief gehen!"
Ich: " Ich denke nicht. Auf den Stationen sagen die immer, dass du der schlechte Zivi seist."
Jan:" Mir sagen sie immer, dass sie sich freuen, dass der stinke Zivi nicht da ist."
Ich:" Mir sagen die Schwestern immer, dass du total unfreundlich und inkompetent seist. Die sagen immer das du nicht ganz helle seist."
Jan:" Mir sagen sie immer, dass du gar nichts drauf hast."
Ich:" Wenigstens kennt eine Station meinen Namen. Die NR3. Dort werde ich immer mit Tim angesprochen. Somit kennen mehr Stationen meinen Namen als deinen."
Jan:" Irgendwie ist deine Argumentation sehr schwach."
Ich:" Meine Argumentation ist schwach? Ich gebe hier lediglich meine Erfahrungen wieder!"

Dieses Gespräch ging noch einige Minuten lang und der kompetentere Zivi konnte nicht ermittelt werden. (Inoffiziell bin ich der Sieger. Aber psst. Nicht dem Jan sagen.)

Anschließend diskutierten wir mit Dr. Incredib noch ein weilchen über die allothermischen Auswirkungen auf die Haltbarkeit von nicht steroiden Antirheumatikern. Wir tauschten Erfahrungen und Meinungen aus und Jan und ich konnten ihm helfen die schweren Zusammenhänge der Benzol Reihen, die von Essig gebunden werden, zu verstehen.
Dr. Incredib klärte uns über den Stand der Dinge in der neurologisch-geriatrischen Forschung auf. Wir kamen von Höckschen auf Stöckschen. Unterhielten uns über die Problematiken in der Gerontologie und wir entwickelten ein neues onkologisches Mutationsverfahren.

Wie ihr seht haben wir viel erlebt.
Das Wochenende haben wir uns verdient.
Nächste Woche bin ich alleine, aber ich weine Jan keine einzige fucking Träne nach.
Danke und bis Montag.


 

kostenloser Counter